Neurofeedback (ILF-Verfahren nach Othmer)

Beim Neurofeedback wird ein EEG abgeleitet – Elektroden am Kopf erfassen den Stromfluss, der im Gehirn auftritt. Anders als bei einer neurologischen EEG-Auswertung erfolgt diese Auswertung nicht qualitativ (Suche nach Krankheitsanzeichen), sondern quantitativ: Je nach Beschwerden wird die Aktivität in den entsprechenden Hirnbereichen erhoben.

Durch ein gezieltes Training – nach einer intensiven diagnostischen Phase – können die Hirnströme verändert werden: Über eine Rückmeldung am Bildschirm passt sich das Gehirn in seiner Funktion an. Dieses Prinzip nennt man Neuroplastizität.

Der Vorteil dieses Verfahrens

Es wird nichts in das Gehirn oder den Körper hineingegeben – das Gehirn nutzt seine eigene Selbststabilisierungskraft. Nebenwirkungen sind daher sehr gering bis gar nicht vorhanden.

Anwendungsbereiche

Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen zeigen gute Erfolge z. B. bei AD(H)S und Depressionen. Neuere Verfahren, die mit sehr langsamen Wellenbereichen des EEGs arbeiten, lassen erkennen, dass es auch Einflüsse auf bisher schwer behandelbare „Kernsymptome“ gibt – etwa bei Persönlichkeitsstörungen und ADHS.

Dieses Verfahren wende ich auch in meiner Praxis an. Außerhalb der Psychotherapie wird es zudem zur Leistungsoptimierung („Peak Performance“) im Leistungssport und im Management eingesetzt.

Weitere Informationen: www.eeginfo-europe.com

Studie: Bereits eine Sitzung führt zu signifikanten Veränderungen

Erstmals wurden in einer randomisierten, kontrollierten Studie Effekte des Infra Low Frequency Neurofeedback (ILF Neurofeedback, auch Othmer-Methode) auf die Konnektivität und Gehirnaktivität nachgewiesen – und das bereits nach einer einzigen Sitzung. Die Studie von Dobrushina et al. mit dem Titel „Modulation of Intrinsic Brain Connectivity by Implicit Electroencephalographic Neurofeedback“ leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Wirkmechanismen.

Untersuchung an 52 Probanden

52 gesunde Probanden absolvierten in einem doppelblinden, kontrollierten Versuchsdesign eine 30-minütige Sitzung ILF Neurofeedback (Elektrodenposition: T4/P4). Die Hälfte (Kontrollgruppe) erhielt ein Sham-Neurofeedback. Zuvor und danach wurde mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) im Ruhezustand die Aktivität neuronaler Netzwerke erfasst.

Ergebnis

Die Aufnahmen nach der Neurofeedback-Sitzung zeigen eine erhöhte Konnektivität zwischen Gehirnregionen, die mit Reizwahrnehmung (Salienz), Sprache und visuellen Netzwerken assoziiert sind – also mit multisensorischer Informationsverarbeitung. Diese erhöhte Konnektivität zeigt sich nur in der Experimentalgruppe, nicht in der Kontrollgruppe.

Originalstudie

Dobrushina et al. (2020). Modulation of Intrinsic Brain Connectivity by Implicit Electroencephalographic Neurofeedback. Frontiers in Human Neuroscience, 14:192.